Schau-Knigge: Benehmen auf Chinchilla-Ausstellungen
Die Öffnung des Chinchilla-Schauwesens für den Hobbyzuchtbereich ist eine vergleichsweise junge historische Etappe der Chinchillazucht. Vielen Neulinge ist das Treiben auf traditionellen Schauen unbekannt, nicht selten kommen sie mit falschen Erwartungen. Zudem finden sich nur sehr selten Hinweise an Neuzüchter, welche erläutern, wie sie sich auf einer Schau verhalten sollen. Die hier dargestellte offene Liste soll einige wichtige Punkte beleuchten.
- Chinchilla-Schauen sind dazu da, den züchterischen Erfolg zu messen. Dies geschieht in Form von Vergleichs- und Punktbewertungsschauen. Der Vergleich dient dem Wettkampf der Züchter untereinander, hier sollten nur selbst gezüchtete Tiere ausgestellt werden. Neuzüchter mit gekauften Tieren sollten sich zum Ausstellen auf Punktbewertungsschauen beschränken, da sie nur dort eine differenzierte Rückmeldung zur Qualität ihrer Chinchillas erhalten.
- Kein Tier sollte mehr als 2 Mal auf einer Ausstellung erscheinen. Dabei sollte das Tier entweder als Jung- sowie Alttier oder aber in unterschiedlichen Punktbewertungssystemen ausgestellt werden.
- Hat man Erfolge mit zugekauften Tieren, so gehört es sich, den Züchter bei der Preisverleihung bekannt zu geben.
- Zur Schauvorbereitung der Tiere gehören lediglich nicht färbender Sand und ein Chinchilla-Kamm. Blue Cloud ist kein färbender Sand, dennoch ist er bei manchen Veranstaltern nicht gerne gesehen.
- Hat man vor, mehrere Tiere mitzubringen, sollten diese im Vorfeld bei der Schauleitung angemeldet werden.
- Die Schauvorbereitung am Schautag beginnt vor dem Spiegel. Die Zuschauer sollten, besonders wenn sie sich zur Bewertung in die ersten Reihen setzen wollen, eine farbneutrale Kleidung (grau, schwarz, weiß) wählen und keine grellen Farben, insbesondere keine Rottöne. Diese Farben irritieren die Preisrichter bei der Beurteilung.
- Für die Vorbereitung auf der Schau ist genug Zeit einzuplanen und pünktlich zu erscheinen – auch wenn das ein frühes Aufstehen bedeutet. Selbst wenn man wenige Tiere mitbringt, sollte man so frühzeitig wie möglich vor Ort sein. Meist endet die Tierannahme um 10:00 Uhr. Eine halbe Stunde vorher sollte man mit der Vorbereitung der Tiere fertig sein.
- Da bei der Anmeldung kein Geburtsdatum angegeben werden muss, teilt der Züchter die Chinchillas eigenverantwortlich in die vorgesehenen Altersklassen ein. Meistens wird folgende Einteilung vorgenommen: 4-5 Monate („Babys“), 6-7 Monate („Jungtiere“), ab 8 Monate („Alttiere“). Mutationen werden auf Grund der Anzahl häufig nur in „bis 7 Monate“ und „ab 8 Monate“ eingeteilt. Die Zuordnung hat ehrlich zu erfolgen. Kleinere Abweichungen (z.B. bei starken Entwicklungsverzögerungen des Tieres) werden meist toleriert, obgleich auch dies nicht ehrlich ist. Grobe Verstöße (Tier ist mehr als 1 Monat älter als die Altersgrenze) sind eindeutig als Betrug zu werten. Erfahrene Züchter und Preisrichter erkennen derartige Abweichungen sehr schnell. Diese Tiere sind von der Schauleitung zu disqualifizieren, ansonsten macht sie sich an diesem Betrug mitschuldig.
- Jeder Züchter stellt seine eigenen Tiere aus. Zuchtgemeinschaften sind nur dann zulässig, wenn die Zuchten tatsächlich gemeinsam, i.d.R. ohne räumliche Trennung, geführt werden. Dies gilt besonders, wenn Bestrebungen zu Farmsiegen angestellt werden.
- Der abgegrenzte Tierbereich ist mit Beginn der Schau und für die gesamte Dauer bis zum Ende der Bewertung eine Tabuzone für Aussteller und Besucher. Nur Mitarbeiter der Schau dürfen diesen Bereich betreten.
- Während der Bewertung hat Ruhe zu herrschen, damit die Aussagen der Preisrichter sowohl von den Protokollanten wie auch den Zuschauern verstanden werden. Wer etwas zu besprechen hat, findet in der Nähe bzw. meist gleich neben dem Schauraum ein Restaurant oder Café, in dem Gespräche geführt werden können. Diskussionen über die Entscheidungen der Preisrichter oder über die gezeigten Tiere sind zudem völlig unangebracht, diese können nach der Schau erfolgen.
- Unstimmigkeiten in der Bewertung sind vor Ort abschließend zu klären. Kritik an Entscheidungen und Urteilsvermögen der Preisrichter haben auf öffentlichen Plattformen, insbesondere dem Internet, nichts zu suchen.
- Keiner hat das Recht, vor oder nach der Bewertung durch die Reihen zu gehen und ohne zu fragen Käfige hochzuheben oder gar von oben in das Fell der Tiere zu blasen usw. Das Recht, ein Tier näher zu untersuchen, besteht nur, wenn 1. ein ernsthaftes (Kauf-)interesse daran besteht und 2. der Züchter dieses Tier zum Verkauf anbietet und die nähere Betrachtung gestattet. Er sollte auch immer dabei sein, wenn eines seiner Tiere von potentiellen Käufern in Augenschein genommen wird. Tiere sollten nur vom Züchter selbst aus dem Käfig genommen werden.
- Gute Tiere für die Zucht zu kaufen erreicht man nicht durch „schnell sein“. Wer ernsthaftes Interesse hat, wird im Vorfeld bereits Kontakt mit Züchtern aufnehmen, sich Tiere im Stall ansehen und evtl. dort kaufen bzw. für die Schau reservieren lassen. Letztlich haben gerade größere Züchter immer bessere Tiere im Stall als sie zur Schau mitbringen. Ein Gedränge um Züchter sollte sich dann erübrigen.
- Hat man ein Tier gekauft, so soll dieses nicht vor anderen Züchtern vorgeführt bzw. im Schauraum herumgetragen werden. Das gekaufte Tier gehört unverzüglich in die Transportbox und in eine ruhige Ecke bzw. gleich ins Auto gebracht.
Die genannten Punkte gelten insbesondere für deutsche Schauen. Hinzu kommen die Schauregeln, die von der jeweiligen Schauleitung festgelegt werden. Für Etikette und Reglements internationaler Schauen kann man sich dort direkt informieren, z.B. bei der MCBA oder der NCS.
Vielen Dank an die Teilnehmer des Chin-Chats für wertvolle Kritik in der Diskussion der einzelnen Punkte!
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